Press

Die Angst vorm nächsten Titel
Von Ines Igney (aus SZ, 10. November 2006)

Ein Koffer voller Platten und los. Wenn die Bazooka Boys auflegen, dann wissen sie: „Mit diesem Koffer machen wir es heute Abend!“

Die Bazooka Boys sind DJs wie andere. Sie legen seit drei Jahren gemeinsam auf und lassen sich inspirieren. Von den Clubs der Lausitz, ihrem Publikum und ihrer privaten Welt. Ihre Musik nennen sie „Global Beat Club“. Das meint Musik ohne Schranken, Rhythmen aus aller Welt.
Die Bazooka Boys sind DJs, nicht wie andere: Schon bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt waren Daniel Kunath und Bernd Zimmermann „Ü 30“. Inzwischen sind sie Mitte 30, ihr Publikum oft „U 20“, unter 20. Das sei schade, liege an der hiesigen Clublandschaft. „Wir Älteren müssen uns die Clubs zurückerobern“, sagt Kunath. Das tun er und Zimmermann von der Bühne aus.

Fern des Plattentellers leben sie Leben, wie das „Ü 30“ vielleicht eher zu erwarten ist.
Daniel Kunath ist Veranstalter im Soziokulturellen Zentrum Hillersche Villa, Vater zweier Kinder und gründete im vergangenen Jahr ein Reise-Unternehmen. Anders, als im Vogtland, wo er herkommt, lasse sich in der Lausitz viel mehr Wirklichkeit gestalten: „Hier lässt sich Anschluss finden und man wird gefragt, was man will.“ Die Region liegt ihm am Herzen, als Reiseführer entdeckt er sie „hinterm Horizont“, wie er für sich wirbt. Er will das Dreiländereck zeigen, wie es nicht jeder täglich erlebt – mit Rad, Paddel oder auf Skiern.

Das Leben abends als DJ ist ein ganz anderes, weit weg von der Natur. Auch er ist ein anderer. Mit „einem der geilsten Jobs überhaupt“. Er ist so sehr Realist, dass er weiß, davon kann er nicht leben. Auch Bernd Zimmermann verdient seine Brötchen nicht mit Musik, ist selbstständiger Mitinhaber der Werbe-Agentur „Zimmermann & Hönel“ in Zittau. Er will vor allem eins: „Kreatives Potenzial ausleben“. Musik und Beruf vermischen sich für ihn, treiben sich gegenseitig voran. Er vergleicht das mit dem Instrument, das dem DJ-Team den Namen gab: Die Bazooka wurde in den 1920er Jahren aus einem Heizungsrohr und einem Trichter gebastelt. „Heraus kam Jazz-Musik, die nach vorn geht.“ Nach vorn wollen auch die Bazooka Boys.

Einzigartig sind Erlebnisse, die es für Kunath und Zimmermann so nur auf der Bühne gibt. DJ sein, das sei eben nicht nur das Aneinanderreihen von Musik. In Einsiedel haben sie mal drei Tage lang durchgespielt. Was tut man nicht alles. Und dann „gibt es da einen Moment, da hebt das Publikum ab“. Faszinierend – und beängstigend: „In dem Moment verlieren wir die Kontrolle. Das wird zur Sucht und du willst es immer wieder haben“, sind sich beide einig. Sie sind immer auf der Suche nach neuer Musik. Nach neuen Ideen. Wirken wie ein Filter für all die Töne aus der weiten Welt und geben sie konzentriert weiter. Kunath, der viel und weit reiste und Zimmermann, der nach der Wende in einem Amsterdamer Abrisshaus lebte, lassen ihre Erfahrungen und Erlebnisse in ihren Musikmix einfließen.

Download Picture
(300 dpi)

 
Download Picture
(300 dpi)
 
Download Picture
(300 dpi)
 
     
Download Logo: jpg | eps  
Download Logo: jpg | eps  
     
Fotos: René Pech    
Shopping
Shopping
Newsletter
e-mail eintragen: